Die Ukraine bleibt in der gegenwärtigen geopolitischen Grauzone und wird vom Westen unterstützt, jedoch nicht in ein Verteidigungsbündnis integriert Der Donbass/Ukraine ist ein Mysterium für viele.

Ukraine-Frontstadt Donezk – Die unerwünschte Republik

Ukraine/Donezk. Sommer 2016.

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Frontstadt Donezk - Die unerwünschte Republik (kompletter Film)

Die Ukraine bleibt in der gegenwärtigen geopolitischen Grauzone und wird vom Westen unterstützt, jedoch nicht in ein Verteidigungsbündnis integriert Der Donbass/Ukraine ist ein Mysterium für viele. Ein blinder Fleck, wenn es um die alltägliche Realität geht. Man weiß von Artilleriebeschuss und von Heldengeschichten, man weiß von humanitärer Katastrophe und Leid, man weiß von „militärischer Lage“. Man weiß von Sensationen und Emotionen. Was sonst weiß man? Nichts! Niemand kennt die wirklichen Details. Sie werden nicht thematisiert in den Abendnachrichten oder in Reportagen zur besten Sendezeit. Also existieren sie nicht. Im Westen hält sich immer noch der Narrativ einer Region unter „pro-russischer separatistischer Kontrolle“, beherrscht von „maskierten Terroristen“, die von „Russland unterstützt, wenn nicht sogar gesandt wurden“, um im Auftrag des Kreml die Ukraine zerstören. Dieser Film wirft einen Blick in das Innere der Republiken. Was ist Realität und was ist Paranoia? 12 Monate Dreharbeiten in Donezk und Umgebung gehen der Frage nach: Was ist die Donezker Volksrepublik? Wie ist sie und wie lebt es sich dort? https://youtu.be/w5-JPEcMHfg  

Die künftige internationale Einbettung der Ukraine: Sechs sicherheitspolitische Szenarien für einen osteuropäischen Schlüsselstaat

Die sogenannte Europäisierung der Ukraine – das heißt ihre schrittweise Übernahme von EU-Standards im Rahmen des Assoziierungsprozesses – ist heute keine Ja-oder-Nein-Frage mehr, sondern eine Sache des Wie und Wann. Zwar verteidigt die alte patronalistische Führungsschicht um Präsident Poroschenko nach wie vor ihr kleptokratisches System der Selbstbereicherung, zentralisierten Kontrolle und informellen Tauschmechanismen, das nach dem Zusammenbruch der UdSSR im Jahr 1991 entstand. Doch als Folge der Revolution der Würde von 2013-2014 sehen sich die berüchtigten Oligarchen und ihre Handlanger in Parlament und Regierung heute einer breiten Reformkoalition gegenüber, die an Einfluss gewinnt. Zu diesen neuen Bedingungen gehören
  • eine nachhaltig mobilisierte Zivilgesellschaft, die Parlament und Regierung permanent unter Druck setzt,
  • zahlreiche hochmotivierte Berater und Emissäre aus der EU und Nordamerika in Kiew,
  • etliche internationale Hilfsorganisationen, die mehr und mehr Entwicklungsprojekte auch außerhalb der Hauptstadt in Angriff nehmen,
  • eine pluralistische Landschaft selbstbewusster (wenn auch teils von Magnaten gesteuerte) Medien, die beharrlich Korruption und illegale Machenschaften aufdecken, sowie
  • ein weltweit aktives Netz von ukrainischen Emigranten, die Reformern innerhalb der Ukraine vielfältige Unterstützung zukommen lassen.2
Ungeachtet fortwährender Rückschläge, Umwege und Zickzackbewegungen wird dieses inzwischen gut koordinierte und langfristig engagierte Bündnis dafür sorgen, dass Reformen in der Ukraine und das Assoziierungsabkommen mit der EU früher oder später umgesetzt werden. Letztlich wird dies auch der Schlüssel zur Lösung Krim- und Donbassfrage sein, wenn nämlich immer mehr Bewohner der gegenwärtig von Russland kontrollierten Regionen ihre Rückkehr unter Kiewer Kontrolle verlangen werden, um ebenfalls von der ukrainischen Europäisierung zu profitieren. Über kurz oder lang wird die Ukraine zu einem bedeutenden Investitionsstandort, weitgehend dezentralisierten Staat, dynamischen Schwellenland, EU-Beitrittskandidaten und attraktivem Touristenziel werden. Oder doch nicht?
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Trotz Waffenstillstand bleibt die Lage um die Millionenstadt Donezk angespannt. Die Vororte sind nach wie vor umkämpft. Überall findet man verlassene Häuser und Wohnungen. Viele sind zerstört oder für militärische Zwecke umfunktioniert worden. Nur sehr wenige Bewohner haben Zugang zu ihren Wohnungen. Ich habe die Geisterstädte und die Wohnungen besucht und mit früheren und verbliebenen Bewohnern gesprochen.
     
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Journalist Igor Maltsev - wie deutsche Filmemacher, die einen Dokumentarfilm über Donetsk gedreht haben, in Deutschland verfolgt werden. Die Premiere des Films Frontstadt Donetsk ("Frontline Donetsk, Republik Non Grata") von Mark Bartalmaya und Neli Oistrach fand im Berliner Babylon Kino statt . Der zweistündige Dokumentarfilm, den die Autoren zwei Jahre lang gefilmt haben, ist ein ausführlicher Bericht darüber, wie Donetsk und die unerkannte Republik leben.
Die wichtigste offene Frage, die sich in Bezug auf die Zukunft der Ukraine stellt, betrifft nicht nur und nicht so sehr ihre innere Entwicklung, ökonomische Transformation und gesellschaftliche Stabilität – Themen, die einen Großteil der Debatten in westlichen Medien und unter Experten zu diesem osteuropäischen Schlüsselland bestimmen. Vielmehr besteht die größte strategische Herausforderung für die Herausbildung eines stabilen und geeinten ukrainischen Nationalstaats und das größte strukturelle Hindernis für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung, der sich Kiew in den nächsten Jahren gegenübersehen wird, darin, die Sicherheit des Staates gegen die zahllosen russischen Maßnahmen der hybriden Kriegsführung zu gewährleisten. Vor allem muss es Kiew gelingen, eine stärkere Deterrenz und Resilienz gegenüber eventuellen weiteren militärischen Interventionen Moskaus tiefer ins ukrainische Festland zu entwickeln. Auch die politischen Auswirkungen, operative Reichweite und geopolitische Tragweite der gegen die Ukraine gerichteten nichtmilitärischen Kriegsführung des Kremls (Propaganda, Cyberangriffe, Spionage, Sabotage, Sanktionen usw.) werden im Westen oft unterschätzt und teils nicht verstanden. Letztlich besteht die größte Herausforderung für die Ukraine und mit ihr befreundeter Staaten jedoch darin, das Abschreckungspotenzial, politische Schutzmechanismen und die staatliche Widerstandsfähigkeit Kiews gegen weitere – im engeren Sinne – militärische Aggressionen Russlands zu erhöhen. So könnte etwa in den nächsten Jahren Moskaus Vorhaben scheitern, eine zuverlässige physische Verbindung zwischen Russland und der Krim zu schaffen, das heißt eine feste Brücke über die Straße von Kertsch zu bauen. Die geologischen und Wetterbedingungen in der Meerenge sind schwierig und könnten dazu führen, dass das symbolträchtige Brückenprojekt scheitert. In diesem Fall würde die Wahrscheinlichkeit wachsen, dass sich der Kreml entschließt, einen Landkorridor vom Donezbecken zur Halbinsel zu schaffen. Angesichts der großen Bedeutung der Krim-Annexion und des ökonomischen Erfolgs dieses Vorhabens für die Legitimität des Putin-Regimes ist der Kreml womöglich bereit, für den Erfolg des Krimanschlusses einen weiteren tiefen militärischen Vorstoß ins ukrainische Festland zu riskieren. Dies würde nichts weniger als einen großen russisch-ukrainischen Krieg an den Ufern des Asowschen Meeres und in unmittelbarer Nachbarschaft des größten europäischen Kernkraftwerks in Saporischschja bedeuten. 02f627094a2b0450aa0049e8 Ukraine Frontstadt Donezk   Die unerwünschte Republik  
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Der Palast Liwadija auf der Halbinsel Krim im Süden der Ukraine war einst Sommersitz des letzten Zaren und erlangte als Tagungsort der von den Alliierten abgehaltenen Konferenz von Jalta im Februar 1945 weltweite Berühmtheit.
   
sewastopol wird jedes jahr von etwa einer halben million touristen besucht die die ueber 2 000 denkmaeler und die prachtvollen kirchen zu schaetzen wissen halbinsel krim ukraine Ukraine Frontstadt Donezk   Die unerwünschte Republik
Sewastopol am Schwarzen Meer ist mit knapp 400.000 Einwohnern die größte und wohl bekannteste Stadt der ukrainischen Halbinsel Krim. Jedes Jahr wird sie von etwa einer halben Million Touristen besucht, die hauptsächlich aus Russland und der Ukraine stammen.
  Solch ein Großkrieg wiederum könnte zu einer weiteren Abwertung der ohnehin schwachen ukrainischen nationalen Währung Hrywnja, nochmaligen Verarmung der bereits einkommensschwachen Bevölkerung, Flucht von Finanzkapital sowie der wenigen Investoren, Massenauswanderung mobiler Bevölkerungsteile gen Westen sowie letztlich gar zu einem Zusammenbruch des ukrainischen Staates führen. Im schlimmsten Fall würden Millionen ukrainischer Flüchtlinge, die nach Polen, in die Slowakei, nach Ungarn und Rumänien drängen sowie andere grenzüberschreitende Auswirkungen eines russisch-ukrainischen Großkonflikts weitreichende Folgen für die Sicherheit nicht nur der Grenzregion, sondern auch östlichen Mitgliedstaaten der EU und NATO haben. Einmal ausgebrochen, würden diese und ähnliche Organisationen nur begrenzt fähig sein, den Verlauf sowie die unmittelbaren und Langzeitfolgen einer solchen geopolitischen Krise einzudämmen. Vor diesem Hintergrund werden hier sechs mögliche Optionen und Strategien für die Entwicklung der internationalen Sicherheitslage der Ukraine sowie, in einem geringeren Maße, Georgiens und Moldawiens, vorgestellt, welche für die kommenden ca. fünf bis fünfzehn Jahre – das heißt für den Zeitraum, in dem das gegenwärtige russische Regime wahrscheinlich fortexistieren wird – relevant sein könnten. Diese Szenarien sind:
  1. die Fortdauer des gegenwärtigen Grauzonenstatus von Kiew, Chișinău und Tiflis;
  2. eine Festschreibung der Neutralität der Ukraine und Georgiens infolge eines Grand Bargains zwischen dem Westen und Russland;
  3. die Aufnahme der Ukraine, Moldawiens und Georgiens in die EU;
  4. der NATO-Beitritt der Ukraine und Georgiens;
  5. die Zuerkennung des Status eines sog. Major Non-NATO-Ally (Wichtigen Nicht-Nato-Verbündeten) an die Ukraine und Georgien, und,
  6. die Schaffung einer „Intermarium“-Allianz zwischen diversen postkommunistischen NATO-Mitgliedsstaaten und der Ukraine, Georgien und Moldawien (sowie, vielleicht, auch Aserbaidschan)  Die jeweilige Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung dieser sechs alternativen Szenarien für die internationale Entwicklung bzw. Einbindung der Ukraine in absehbarer Zukunft unterscheidet sich und reicht von der simplen Extrapolation heutige Zustände zu einer bislang fantastisch klingenden, gänzlich neuen regionalen Sicherheitsallianz mittelosteuropäische Staaten zwischen Baltischem und Schwarzen Meer. Die eventuelle Umsetzung dieser Szenarien verlangt von Kiew und seinen Partnern unterschiedliche Verhaltensweisen. Quelle: Weiter lesen...

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4 Kommentare

  1. Die Sprache des Krieges

    Ende des 19. Jahrhunderts schrieb der Franzose Paul Lafargue (französischer Sozialist und Schwiegersohn von Karl Marx): „Ähnlich wie ein lebender Organismus wird Sprache geboren, entwickelt sich und stirbt; im Verlaufe ihrer Existenz unterläuft sie eine Reihe von Evolutionen und Revolutionen, sie eignet sich Wörter, sprachliche Wendungen und Grammatikformen an und verwirft sie wieder.“ In Lafargues Arbeit wurden interessante Beispiele für Veränderungen angeführt, die in der französischen Sprache zwischen 1789 und 1794 entstanden waren.

    https://ukraine-nachrichten.de/sprache-krieges_4689

  2. Ukraine Undercover

    Unter Lebensgefahr berichten der Medienunternehmer Alexej Mazuka und sein Team aus der Ostukraine. Von Slawjansk aus decken die als “Separatisten” Geschmähten korrupte Geschäfte der Mächtigen auf.
    Bilder luxuriöser Jeeps der Separatisten-Polizei. Aufnahmen von Militärparaden mit russischen Panzern. Berichte darüber, wer im von Moskau kontrollierten Osten der Ukraine das Sagen in der Führung der “Volksrepublik Donezk” (DNR) hat und wer welche Geldströme kontrolliert. Es sind einzigartige Bilder und Informationen, die Alexej Mazuka und seine Kollegen Zuschauern und Lesern liefern.
    http://www.sueddeutsche.de/medien/investigative-journalisten-ukraine-undercover-1.3699306

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